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Wohnungsnot durch Zweckentfremdung

Großstädter, die zur Miete wohnen, haben in den letzten Jahren Eines gelernt: Man kündigt seine Wohnung nicht, denn wer eine hat sollte sie gut festhalten. Selbst wenn ein Umzug aus beruflichen oder privaten Gründen in eine andere Stadt nötig ist, versuchen viele Mieter ihre Wohnung zu halten und Untermieter zu finden, da ein Mietvertrag für guten Wohnraum in München oder Hamburg fast so etwas wie eine Lottogewinn ist und deswegen nicht einfach aus der Hand gegeben werden kann.

Kostbarer Grund

In den beliebten deutschen Metropolen wird der Wohnraum immer knapper, die Mieten steigen und werden damit für einkommensschwache Familien unbezahlbar. Was bleibt ist die Abwanderung ins Umland, weitere Wege in die Innenstadt und zur Arbeit kosten dabei einen Haufen Zeit und Lebensqualität. Ein wichtiger Grund für die Wohnungsknappheit in den Innenstädten liegt aber nicht in der stetigen Bevölkerungszunahme, sondern an der Nutzung innerstädtischer Immobilien als lohnende Spekulationsobjekte. Leerstände und Zweckentfremdung, wie die Vermietung von Wohnraum als Büros, verstärken den Wohnraummangel und lassen die Wohnungssuche für viele Mieter zu einem regelrechten Albtraum werden.

Verkauf statt Vermietung

Viele Hauseigentümer nutzen das Kapital, das sich durch ein Wohnhaus in begehrter Lage bietet, voll aus oder versuchen darüber hinaus sogar noch Gewinne zu erzielen. Die Vermietung von Wohnraum an Kanzleien und Büros ist ein beliebtes Vorgehen. Das Ordnungsamt kommt mit der Kontrolle nicht hinterher und schon stehen Büroartikel, wo eigentlich Küchenutensilien stehen sollten und es herrscht Büroalltag, wo sich eigentlich ein Familienleben abspielen sollte. Selbst wenn die Zweckentfremdung vom Mieterschutzbund oder ähnlichen Instanzen zur Anzeige gebracht wird, mahlen die Mühlen des Gesetzes nur langsam und wird der Wohnraum erst einmal längere Zeit als Büro genutzt, genießen Mieter und Vermieter Bestandsschutz. Für den Vermieter lohnt sich das Risiko, denn die Mieteinnahmen bei Büronutzung sind wesentlich höher.

Auch der absichtliche Leerstand von Wohnraum trägt zum Mangel in deutschen Großstädten bei. Um ein Objekt zum Beispiel besser verkaufen zu können, lassen Vermieter über Monate, manchmal auch über Jahre, Wohnungen leer stehen, da das den Verkauf eines Hauses vereinfacht. Oft stehen auch einzelne Wohnungen, die zum Verkauf angeboten werden, monatelang leer, denn eine vermietete Wohnung lässt sich nur schwerer verkaufen, da der Mieter sozusagen eine Altlast für den Käufer darstellt und häufig schwer aus der Wohnung zu kriegen wäre. Denn trotz Wohnungsnot und Ungerechtigkeiten bei der Wohnraumverteilung: Mieter verfügen in Deutschland über vergleichsweise weitreichende Rechte und häufig ist es für den Vermieter unmöglich, seine Interessen gegen sie durchzusetzen. Das könnte vielleicht mit ein Grund sein, warum die Vermietung für viele Eigentümer ein Schreckgespenst ist und sie ihr Heil in anderen Immobiliengeschäften suchen.

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